Angst, Macht, Erfolg: Erkennen Sie die Macht der konstruktiven Angst

Eigentlich erhielt ich die Buchempfehlung Angst – Macht – Erfolg: Erkennen Sie die Macht der konstruktiven Angst von Winfried Panse und Wolfgang Stegmann von einer Führungsperson, die mir empfahl nachzulesen, wie man seine Mitarbeiter mit Angst führen könne. Das kam mir damals ziemlich absurd vor, weswegen ich zwar den Buchtitel notierte, aber eigentlich keinen Wert auf solch eine Lektüre legte. An meiner Einstellung mit Angst zu führen, hat sich seitdem nichts geändert, allerdings hat mich dann doch irgendwann interessiert, was in solch einem Buch wohl stehen mag. Ganz zu meinem Überraschen entpuppte sich Angst, Macht, Erfolg zu einer sehr interessanten Lektüre, die keineswegs beabsichtigt, Angst erzeugende Methoden einzusetzen. Vielmehr beschreiben die Autoren u.a., wieviel wirtschaftlicher Schaden in Deutschland durch Führen mit Angst entsteht.

Wilfried Panse und Wolfgang Stegmann beschreiben zwar auch, dass Angst und Macht eng miteinander verbunden sind, aber dass in einer Führungsrolle Macht eingesetzt werden muss, um die Führungsrolle zu rechtfertigen. Es ist sogar so, dass Mitarbeiter den Einsatz von Macht einer Führung erwarten. Die Autoren ziehen dabei allerdings eine deutliche Grenze zum Machtmissbrauch.

Interessant fand ich vor allem die Beziehung zwischen Angst und Leistung. Das im Buch zu Grunde liegende Angstmodell beschreibt eine Skala, in der links die Zone der Sicherheit und rechts die Zone der Unsicherheit liegt. Der betriebswirtschaftlich optimale Bereich liegt dabei in der Mitte. Menschen funktionieren im Geschäftsleben scheinbar am besten, wenn sie sich in einem mittleren Bereich zwischen Ängsten niedriger Dauer und Intensität befinden. Empfindet man absolute Sicherheit, ist das der Leistung nicht zuträglich. Empfindet man zunehmend steigende Unsicherheit ist ebensowenig Leistung zu erwarten. Jeder von uns hat dabei unterschiedliche Grenzen, aber jeder von uns kann nachvollziehen, dass große Angst blockiert und sich totale Sicherheit als nicht besonders motivierend auswirkt.

Angstmodell nach Winfried Panse

Die Autoren beschreiben sehr eingehend, wo Angst herrührt, welche Ängste es gibt, und dass jeder Ängste hat, weil er in unserer Gesellschaft sonst nicht funktionstüchtig wäre. Dabei unterscheiden Sie zwischen Existenzängsten (Angst vor Arbeitsplatzverlust, Verarmung, Altersangst und Krankheitsangst), sozialen Ängsten (Angst vor Vorgesetzten, Mitarbeitern, Kollegen, offener Meinungsäußerung, Publikumsangst) und Leistungsängsten (Beurteilungs- und Prüfungsangst, Angst vor Neuerungen, Beförderungen, Versetungen und internationaler Zusammenarbeit). Sie bieten weiterhin Strategien an, wie man mit seinen eigenen und fremden Ängsten im beruflichen Alltag umgehen kann und diese auflöst bzw. abschwächt.

Alles in allem ein überaus interessantes Buch, das ich gerade Führungspersonen nur wärmstens empfehlen kann.

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4 Kommentare zu Angst, Macht, Erfolg: Erkennen Sie die Macht der konstruktiven Angst

  1. Die Klassifizierung nach Michl ( http://books.google.de/books/about/Erlebnisp%C3%A4dagogik.html?id=My9dSQAACAAJ&redir_esc=y ) macht IMHO den Übergangsbereich wesentlich besser greifbar. Solange jemand in der Komfortzone ist, ist er unterfordert und entwickelt sich nicht, in der Panikzone verdrängt Angst und Überforderung den Fortschritt, in der Mitte ist die Lernzone in der der betreffende die nötigen nächsten Schritte jeweils in greifbarer Nähe hat ohne sich jedoch zu langweilen.

  2. „dass jeder Ängste hatweil er in unserer Gesellschaft sonst nicht funktionstüchtig wäre“.

    Diese Aussage halte ich für fragwürdig. Angst hat meines Erachtens nichts mit Funktionstüchtigkeit zu tun. Im Gegenteil sie sorgt dafür, dass wir Situationen tunlichst vermeiden und rational reagieren. Diese Vermeidungshaltung ist weitverbreitet und scheint häufig auf den ersten Blick sogar vernünftig zu sein. Beispiel: Ich bleibe bei meinem Arbeitgeber, auch wenn ich eigentlich etwas anderes machen will. Ich habe eine Familie, die ich ernähren muss … Das Ende vom Lied dieser Mensch ist unzufrieden und nutzt sein Potential nicht.

    Was in der Aufzählung fehlt ist „Angst vor dem Erfolg“. Wer zum Beispiel Erfolg mit „über Leichen gehen“ oder „18-Stunden-Tage“ gleichsetzt, wird unterbewusst sehr viel tun, um genau diesen „Erfolg“ zu vermeiden, z. B. sich scheuen in Projekten Verantwortung zu übernehmen.

    „jeder von uns kann nachvollziehen, dass große Angst blockiert und sich totale Sicherheit als nicht besonders motivierend auswirkt.“

    Für mich ist das eine Frage des Selbstbewusstseins, der Selbstsicherheit und die wäre vielen Unternehmen zuträglich. Es stimmt, wer sich auf seinen Lorbeeren ausruht ist ebenso schlecht für ein Unternehmen wie derjenige, der aus Angst seinen Arbeitsplatz zu verlieren, keine Entscheidungen treffen kann.

  3. Das Buch beleuchtet natürlich nur aus einer Richtung. Ich glaube, dass Angst ein Faktor sein kann, aber nicht sein muss. Ich meine noch immer, dass Spass im Vordergrund steht, um Exzellenz im Handeln – bzw. Beruf – zu erreichen.

    Ich glaube nicht, dass es so etwas wie generelles Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit gibt. Ich glaube Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit ist immer mit einer Rolle verknüpft. Was ich in dieser Rolle (Vater, Ehepartner, Kollege, Vorgesetzter, …) empfinde, hat immer mit den Rahmenbedingungen der Rolle zu tun.

    Natürlich hat auch jeder Höhen und Tiefen, ob in der Selbstmotivation oder der Leistung oder … Das sollte eigentlich selbstverständlich sein. Leider wird aber von Kunden, Chefs oder Kollegen eine über die Zeit gleichförmige Persönlichkeit erwartet.

  4. Angst machen, das kennen wir ja schon seit 2000 Jahren Christentum, und passt ja auch natürlich wunderbar in diese menschenverachtende kapitalistische Gesellschaft.

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