Jetzt sei doch mal kreativ …

Das Bild Collage 113 wurde bei flickr unter der Creative Commons License von kimama veröffentlicht
Das Bild Collage 113 wurde bei flickr unter der Creative Commons License von kimama veröffentlicht

So oder so ähnlich geht es natürlich nicht. Kreativität ist spontan, aber auch in Maßen erlernbar. Was ich allerdings noch immer vermisse, sind kreative Vordenker in technischen Berufen. Ich meine die, die im täglichen Umgang u.a. mit solch trockenen Themen wie Prozessen und Standards zu tun haben. Zu oft erinnert das „Bisschen hier“ und das „Bisschen da“, an eine eher bürokratische Vorgehensweise aus dem Lehrbuch, als an eine tatsächliche Neuerung. Diese Bereiche liefern aber so unglaubliches ungenutztes Potenzial, wenn man sich näher damit auseinandersetzt.

Kreativität wird immer gerne mit Künstlertum und einer vergeistigten Haltung verwechselt, obwohl man kreatives Denken gerade auch in den technischen Bereichen benötigt. Trotz Business-Querdenkern wie dem Autorenpaar Anja Förster und Peter Kreuz, ist in meinen Augen wenig aus dem Marketing in andere Unternehmensfunktionen übergeschwappt. Berufliche Expertise ist leider nicht viel wert, wenn die nötigen Ideen fehlen.

Oft handeln die einschlägigen Publikationen von Geschichten in Unternehmen, die das Querdenken zulassen oder eben nicht. Natürlich sollte ein Unternehmen einen fruchtbaren Boden für Querdenker liefern. Aber sind es nicht gerade auch die Unternehmen, die diesen Boden nicht haben, für die man die nötige Kreativität benötigt. Kreativität hilft nämlich Probleme zu lösen. Kreativität hilft Abläufe zu vereinfachen. Kreativität hilft Vorgesetzte zu begeistern. Ohne Kreativität geht es nicht!

Die Definition von Kreativität

Schaut man sich auf Wikipedia einmal die Definition von Kreativität an, ist die sehr umfangreich und berücksichtigt verschiedenste Meinungen.

Meiner Meinung nach ist Kreativitität die Fähigkeit auf Basis von Inspirationen erlerntes Wissen und Erfahrungen dazu zu nutzen, etwas neues zu gestalten (lat. creare). Damit sind vier Faktoren festgelegt:

  • Die Inspiration, die den Kreativprozess initialisiert.
  • Das persönliche Wissen, auf das man zurückgreifen kann.
  • Die persönlichen Erfahrungen, die man bis heute gemacht hat.
  • Die Phantasie, die es möglich macht, Inspiration, Wissen und Erfahrungen so zu verknüpfen, dass etwas neues daraus entstehen kann.

Kreativität sagt also zunächst nichts über die Originalität aus. Damit ist etwas kreatives noch nicht einzigartig. Innovationen (Erneuerung) basieren auf einem Kreativprozess und sind in der Regel auch nur Verbesserungen von etwas bestehendem. Kreativität ist auch nicht nur den intelligenten Menschen vorbehalten. Jeder kann kreativ sein, nicht jeder auf dem theoretisch gleichen Niveau, aber doch jeder für sich, und so individuell, wie er selbst Individuum ist.

Ich kenne viele Menschen, die von sich behaupten, nicht besonders kreativ zu sein. Meines Erachtens Ausflüchte, die auf verschiedenen Bedenken bzw. Glaubenssätzen beruhen:

Ich bin doch kein Künstler

Nachdenken tut weh

Ich bin Techniker, wozu kreativ sein

Kreativ sind die anderen


Bücher zum Thema Kreativität bei amazon.de:

 

 

 

 


Wie geht Kreativität?

Wie schon behauptet ist Kreativität spontan. Der Maler oder Autor mit der bekannten Angst vor dem weißen Blatt, ist ein Phänomen, bei dem der Künstler keine Inspiration empfindet. Also haben nicht nur “unkreative” Menschen dieses Problem. Allerdings kann man sich Inspiration verschaffen oder der Inspiration nachhelfen. Dazu habe ich selbst verschiedene Techniken:

  • Ich gehe spazieren.
  • Ich rede mit Menschen zu einem bestimmten Thema.
  • Ich google zu verschiedenen Themen, die im Zielbereich liegen.
  • Ich sehe mir Youtube Videos an.

Ich versuche mir also ein Umfeld zu verschaffen, das mich inspiriert. Vielleicht kommen in diesem Moment schon erste Ideen, die ich mir notiere. Ein geeigneter Wegbegleiter ist dabei mein Smartphone, auf dem ich Bilder, Filme, Notizen und Sprachnotizen festhalten kann. Nach dem Sammeln der Eindrücke gönne ich mir dann eine längere Pause.

Danach beginnt der Prozess des Verknüpfens. Dazu benötige ich ein ruhiges Umfeld bzw. umgekehrt, in einem ruhigen Umfeld beginne ich zu verknüpfen. Wer also keine Ruhe hat, wird nur schwer kreativ sein können. Der Verknüpfungsprozess läuft bei mir automatisch ab. Wenn ich es versuche zu erklären, ist es so ähnlich wie ein Scan mehrerer Suchphrasen gegen eine Datenbank im Schnelldurchlauf. Und so etwas ähnliches ist es ja schließlich auch. Habe ich einige Ideenfragmente, werden die nach und nach vervollständigt und ggf. wieder ausgetauscht, bis ich vom Ergebnis überwiegend überzeugt bin. Danach versuche ich das Ergebnis so gut es geht zu dokumentieren.

Manchmal kommen Inspirationen einfach so. Es kommt ein Thema vorbeigeflogen, an dem ich mich festbeiße, und dann wird auf Teufel komm raus geistig gebastelt, bis es passt. Aber solche Selbstläufer haben eher einen geringeren Anteil.

Kreativität in Gruppen

Manchmal benötigt man Gruppenleistungen. Dazu ist es wichtig, dass sich die Gruppe wohl und nicht überfordert fühlt. Man sollte die Gruppe mit der Zielsetzung konfrontieren und versuchen sie zu inspirieren, ggf. durch eine Diskussion, eine Provokation oder durch ausgewählte Präsentationen (Filme, Bilder, Dokumente). Danach sollte man die Gruppenmitglieder erst einmal wieder sich selbst überlassen und ihnen die nötige Zeit zum gären geben. Entwickeln sich in der Kaffeeküche Gespräche und Diskussionen zum Thema, sollte man einen zweiten Termin nachlegen und die Menschen im Kreativprozess abholen. Dies funktioniert eben bei allen möglichen Themen und Zielsetzungen und nicht nur in künstlerischen Berufen.

Haben Menschen einmal damit begonnen einen kreativen Prozess zu durchlaufen, fällt es ihnen zukünftig leichter auf dieses Werkzeug zurück zu greifen. Sie beginnen auf einmal die Hintertür statt der Vordertür zu benutzen oder begehen Seitenwege statt der bekannten Hauptstraße (nebenbei bemerkt, beginne ich im realen leben oft andere Wege zu fahren, um Abwechselung und Inspiration zu haben ;-)). Und manchmal bekommt man in diesem Gruppenprozess dann gerade von den “Nichtkreativen” oft besonders gutes Feedback.

Kreativität?

Wie seht Ihr das? Was kennt Ihr für Kreativtechniken? Welche Prozesse durchlauft ihr, um ein “anderes” Ergebnis zu bekommen? Habt Ihr völlig andere Meinungen? Schreibt darüber in Eurem Blog und setzt Trackbacks oder Pingbacks auf diesen Beitrag oder kommentiert. Ich bin sehr an Euren Ansichten und Beispielen interessiert.

Rate this post

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar verfassen